Quadra Energy schließt Vertrag für langfristige Stromlieferung an Greenpeace Energy aus Enercon-Altwindparks mit 50 MW ab.

Enercon

Aurich. Mit Quadra Energy hatte sich Windturbinenhersteller Enercon 2014 Kompetenzen in der Vermarktung von Strom ins Haus geholt. Quadra integriert verschiedenste Versorger und Verbraucher in ein virtuelles Kraftwerk: Enercon-Windenergieanlagen, Speicher, Elektro-Tankstellen, Stromverbraucher und Power-to-X-Anlagen, die überschüssigen regenerativen Strom in alternative Energieträger wie Treibstoff im Verkehr oder Energiestoffe zur Wärmeversorgung umwandeln. Nicht nur die Direktvermarktung von Grünstrom, auch Angebote regionaler Bürgerstromtarife oder die Umsetzung von Eigenversorgungskonzepten werden möglich.

So betreibt Quadra ein virtuelles Kraftwerk mit weit mehr als 3.000 dezentralen Erzeugungskapazitäten und einer installierten Leistung von rund 6,5 Gigawatt (GW). Es beliefert Verbraucher mit einem Bedarf von mehr als 100 Gigawattstunden. In Summe ist Quadra hierzulande zweitgrößter Direktvermarkter für Strom aus Erneuerbaren.

Das für viele Altwindparks nun bevorstehende Ende der gesicherten Vergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird die Nachfrage erhöhen: Die Erlössicherheit aus dem EEG endet für erste Windkraftwerke 2021. Ihre gesetzliche Förderung fällt weg. Deutschlandweit sind rund 30 Prozent der 2018 an Land installierten Leistung betroffen. Für viele Windenergieanlagen ist der Weiterbetrieb zu aktuellen Marktpreisen allein wirtschaftlich nur schwer darstellbar.

Grundsätzlich ließe sich mit Repowering durch Austausch der alten Turbinen gegen moderne Windenergieanlagen ein Vielfaches des Energieertrags aus den alten Windstandorten herausholen. Allerdings gibt es dafür an mehr als 60 Prozent aller betroffenen Standorte zurzeit keine Genehmigungsmöglichkeit. Das Ziel von Enercon ist es, etablierte Windstandorte so lange wie möglich zu erhalten – und sei es nur, bis der Gesetzgeber die Voraussetzungen für eine Standorterneuerung geschaffen hat. Bei einem Rückbau der Bestandsanlagen wäre der Standort für die Windkraft verloren.

Zunehmend wichtiger Absatzmarkt für Strom aus Bestandsanlagen ist die Versorgung von Großabnehmern. Denn nachhaltige ökologische Stromversorgung nimmt für viele Unternehmen und private Haushalte eine immer bedeutendere Rolle ein. Um die steigende Nachfrage zu bedienen, bündelt Quadra Enercon-Bestandsanlagen im 20+-Pool und macht Abnehmern durch ein Green-PPA-Angebot hochwertigen Grünstrom zugänglich – durch einen langfristigen Liefervertrag für Grünstrom, international Green Power Purchase Agreement genannt (Green PPA). Den Betreibern bietet Green PPA eine aussichtsreiche Perspektive. Die Enercon-Windenergieanlagen im 20+-Pool werden durch ein auf den Weiterbetrieb abgestimmtes Servicekonzept weiter durch Enercon versorgt. Schon 2018 schloss Quadra mit dem Strompool des Verbands Deutscher Kühlhäuser und Kühllogistikunternehmen ein Green PPA ab: Aus vier Bestandswindparks mit 10,6 MW liefert Quadra ab 2021 Strom zum Fixpreis an Zentren und Kühlhäuser führender deutscher Logistik- und Lebensmittelunternehmen.

Am Montag unmittelbar vor Beginn der Messe Husum Windenergie schlossen der Ökoenergieanbieter Greenpeace Energy und Quadra Energy einen „Green PPA“-Rahmenvertrag zur Abnahme von hochwertigem Windstrom, die ab 2021 keine Förderung aus dem EEG mehr erhalten. Im Rahmen dieser Kooperation bündelt Quadra  Energy Enercon-Bestandsanlagen mit einer Erzeugungsleistung von zunächst 50 MW und liefert jährlich rund 60 Gigawattstunden an Greenpeace Energy. Diese Menge entspricht etwa 13 Prozent des insgesamt von Greenpeace Energy beschafften Stroms. Das jetzt abgeschlossene „Green PPA“ ist bei der Kooperation der beiden Unternehmen nur ein erster Schritt. „Quadra Energy soll in Zukunft zu einem wichtigen strategischen Partner für Greenpeace Energy werden“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy.

 

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„Wir müssen am Ball bleiben, damit später nicht andere die Früchte unserer Pionierarbeit ernten.“

Hans-Dieter Kettwig

Aurich. Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig spricht im Interview über die Pflicht zum Optimismus: Der Zuspruch für die Klimaschutzbewegung Fridays for Future zeige, dass Klimaschutz bei immer mehr Menschen oben stehe. Dann werde die Energiewende wieder Fahrt aufnehmen.

 

Herr Kettwig, die Politik ist langsam. Wird die Windenergiebranche mit Unternehmen wie Enercon im Zusammenspiel mit der Klimabewegung die technischen und wirtschaftlichen Lösungen nun schon alleine durchsetzen?

Hans-Dieter Kettwig: Der Onshore-Windenergiemarkt in Deutschland ist nach fehlgeleiteten politischen Reformen in eine schwere Krise geraten, das sollte inzwischen jedem klar geworden sein. Der Aufbau neuer Anlagen ist nahezu zum Erliegen gekommen – ein schwerer Rückschritt. In diesem ungewissen Umfeld sind über Jahre aufgebautes Know-how und sicher geglaubte Arbeitsplätze der Wind–industrie weggefallen und weiter in Gefahr.

Auch wenn wir die Politiker weiter in die Pflicht nehmen, so zeigt die Entwicklung eines: Unsere Branche kann sich nicht allein auf die Politik verlassen. Als Unternehmen ziehen wir daraus Schlussfolgerungen: Enercon treibt seine Produkt- und Technologieentwicklung weiter voran und konzentriert sich bis auf weiteres auf internationale Wachstumsmärkte.

Wir dürfen angesichts der desolaten Lage im Heimatmarkt zugleich nicht resignieren. Der Stimmengewinn der Grünen bei den letzten Wahlen sowie der anhaltende Zuspruch für die „Fridays for Future“-Bewegung zeigen, dass Klimaschutz bei immer mehr Menschen ganz oben steht. Früher oder später wird die Energiewende hierzulande wieder Fahrt aufnehmen. Wir müssen am Ball bleiben, damit später nicht andere die Früchte unserer Pionierarbeit ernten.

 

Was sind Ihre kurzfristigen Antworten darauf?

Hans-Dieter Kettwig: Enercon reagiert mit einer konsequenten Neuausrichtung seiner Marktstrategie. Bis auf Weiteres konzentrieren wir uns im Kerngeschäft wie gesagt auf internationale Wachstumsmärkte, in denen wir die größten Potentiale und Perspektiven für uns sehen.

Parallel treiben wir als Anbieter von Systemlösungen für regenerative Energien die systematische Entwicklung neuer Geschäftsfelder voran. Beispiele sind unsere Ultraschnellladelösung „E-Charger 600“ für E-Fahrzeuge, unsere Schnittstellentechnologie „E-Storage 2300“ zur Anbindung von Speichern ans Netz, aber auch unsere Dienstleistungen im Bereich der Energielogistik. Mit diesen Maßnahmen stellen wir uns breiter auf und bereiten uns auf Marktanforderungen in regenerativ geprägten Energiesystemen vor. Dieser Prozess wurde bereits vor einigen Jahren gestartet, wird nun jedoch noch entschiedener vorangetrieben. Es werden gelebte Strukturen verändert, gestrafft und auf Effizienz getrimmt.

 

Wird kurz- und mittelfristig eher die technologische Entwicklungsarbeit bei Ihnen an Wichtigkeit und Umfang zunehmen oder eher die Arbeit an vertrieblichen Strategien?

Hans-Dieter Kettwig: Beides ist für uns wichtig. Unsere Zielsetzung ist es, unseren Kunden die hochwertigsten Windenergieanlagen im Markt zu liefern – Ziel im Kerngeschäft ist es, unseren Marktanteil in etablierten Märkten stabil zu halten beziehungsweise auszubauen. Darüber hinaus forcieren wir die Erschließung zusätzlicher internationaler Märkte. (tilman weber)


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Enercon startet EP5(MW)-Plattform und passt Turbinenportfolio an Märkte an.

Enercon, Turbine

Aurich. Das Unternehmen aus Aurich hat die Leistung der ersten beiden Modelle deutlich über den vor einem Jahr noch geplanten Nennleistungen von 4,3 und 4,0 Megawatt (MW) festgelegt. Sie leisten 5,0 MW mit dem kleineren und 4,6 MW mit dem größeren der neuen Superrotoren. E-147 EP5 E2 und E-160 EP5 sind für mittlere Windstärke und für Schwachwindregionen ausgelegt.

 

Zudem präzisiert Enercon innerhalb des Kapazitätsbereichs drei bis vier MW die Technologie-Strategie nach der Übernahme des niederländischen Windturbinenunternehmens Lagerwey  Ende 2017. Es bleibt beim Direktantrieb ohne Getriebe. Nach Design-Anpassungen gibt es eine einheitliche, besonders kompakte Innenarchitektur der Maschinenhäuser. Bei den Generatoren bleiben vorerst zwei Technologien erhalten: im Falle bisheriger Enercon-Turbinen die elektrisch fremderregten Generatoren und im Falle bisheriger Lagerwey-Modelle durch Permanentmagneten bestückte Generatoren.

 

Wie Enercon-Sprecher Felix Rehwald erklärt, gilt die EP5 als erste gemeinsame Technologieentwicklung beider Häuser. Die Plattform enthalte einige Lagerwey-spezifische Elemente wie Permanentmagnetgeneratoren. Die Rotorblätter entsprächen in ihren Profilen schon neuem Enercon-Design. Allerdings werden die Blätter nicht wie bei den bisherigen größten Enercon-Anlagen in Längensegmente geteilt, um diese dann erst auf der Baustelle zu ganzen Rotorblättern zu montieren. Vielmehr gibt Enercon wie vorher Lagerwey die Blattproduktion an Zulieferer ab, und lässt die Blätter ungeteilt produzieren. Damit erfüllen die Auricher auch Vorgaben mancher Länder, wonach die Komponentenfertigung dort installierter Windturbinen teils in dem betreffenden Land stattfinden muss.

 

Bereinigt wurde der Drei- und Vier-MW-Bereich: So werden der Drei-MW-Plattform sowohl E-115 EP3, E-126 EP3 und E-138 EP3 im kompakten neuen Anlagendesign angehören als auch E-101 und E-115 mit traditionellem Enercon- Design einer eiförmigen Gondel um den Generator sowie großen Rotorblattwurzeln. Fast alle dieser Modelle werden mit mindestens zwei Nennleistungen verfügbar sein: Am weitesten wird E-115 EP3 mit 2,99 und 4,2 MW ihren Einsatzbereich ausdehnen, um die mittlere Windklasse IEC IIA wie auch Starkwindklasse IEC IA abzudecken und fast unter Taifun-Bedingungen einsatzfähig zu sein. Schwachwindmodell E-138 EP3 mit bislang nur 3,5 MW wird Ende 2019 mit einem Prototyp als 4,2-MW-Variante ans Netz gehen. Das frühere 4,5-MW-Lagerwey-Modell rückt als E-136 mit 4,65 MW in die 5-MW-Plattform. Die 2018 verstärkt errichtete EP4-Plattform mit den 4,2-MW-Anlagen E-126 und E-141 mit eiförmiger Gondel wird durch die neuen EP3- und EP5-Typen ersetzt.

 

Messetipp: Enercon Halle 2, Stand D10

 

Bild: Enercon, Turbine © KLaas Eissens

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